Muslimische Jugendverbände als ‚safer(e) spaces‘ – Eine empirische Rekonstruktion zwischen Anspruch und Praxis
In öffentlichen Debatten über muslimische Jugendverbände dominiert nicht selten problemorientierte Perspektiven – sei es im Kontext von Radikalisierungsprävention, Integrationsdebatten oder sicherheitspolitischen Zuschreibungen. Eine vornehmlich problembezogene Betrachtung kann jedoch andere Funktionen und Potenziale dieser Organisationen für junge Muslim*innen in Deutschland aus dem Blick geraten lassen. Genau hier setzt die empirische Forschung von Deniz Greschner an: Sie eröffnet einen differenzierten, organisationssoziologisch fundierten Zugang zu den vielfältigen Funktionen muslimischer Jugendverbände und untersucht, welche Funktionen muslimische Jugendverbände für Selbstverständigung, Solidarität und kollektive Identitätsarbeit übernehmen können. Ihr Vortrag rückt ein Konzept in den Mittelpunkt, das in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung ebenso wie in der pädagogischen Praxis zunehmend an Relevanz gewinnt – muslimische Jugendverbände als sogenannte ‚safer(e) spaces‘, also als Räume, die ein möglichst geschütztes Umfeld für Austausch, Selbstverständigung und die Bearbeitung von Diskriminierungserfahrungen bieten sollen.
Im Zentrum der Analyse steht die grundlegende Frage, wie und unter welchen konkreten Bedingungen diese Verbände tatsächlich Schutzräume für junge Muslim*innen bereitstellen können – und welchen strukturellen, förderpolitischen und gesellschaftlichen Einflussfaktoren diese wichtige Funktion unterliegt. Dabei macht sie deutlich, dass die Verwirklichung saferer Räume kein statischer Zustand, sondern ein fortwährender Aushandlungsprozess ist, der von innerverbandlichen Dynamiken, externen Erwartungen und nicht zuletzt von den Lebensrealitäten der Jugendlichen selbst geprägt wird.
Zur Referentin
Deniz Greschner, M. A., ist Lehrbeauftragte an der Fachhochschule Dortmund und promoviert am Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück mit einer organisationssoziologischen Arbeit zu muslimischen Jugendorganisationen in Deutschland. Sie war Mitglied der Postdoc-Forschungsgruppe „Soziale Arbeit in der Migrationsgesellschaft“. Ihre Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte liegen in der qualitativen Jugendforschung sowie in der organisationssoziologischen Untersuchung muslimischer Jugendverbände in Deutschland.
Zielgruppen
Die Veranstaltung richtet sich an Fachkräfte der Sozialen Arbeit, der Jugend- und Bildungsarbeit, Vertreter*innen von Jugendverbänden, Studierende sowie alle an der postmigrantischen Gesellschaft und muslimischer Jugendarbeit Interessierten.