Verflochtene Wege: Spiritualität und Trauma in der psychosozialen Seelsorge
Trauma und Spiritualität werden in der psychosozialen Begleitung oft als getrennte Themen betrachtet. Doch im Erleben vieler Ratsuchender sind sie eng miteinander verwoben. Besonders in der Seelsorge mit muslimischen Menschen zeigt sich, wie tief Glaube und religiöse Praxis in die Bewältigung von Krisen hineinwirken können.
Dieser Vortrag nimmt die Perspektive der Traumapädagogik ein und fragt danach, wie sie zu einer wertvollen Ressource für die muslimische Seelsorge werden kann. Im Zentrum steht die Frage: Wie kann Glaube Schutz und Heilung fördern – und wie können wir als Begleitende diese Kraftquelle bewusst und behutsam einbeziehen?
Die Referentin Andrea Kiel-Philipp verbindet in ihrem Beitrag langjährige praktische Erfahrung mit wissenschaftlicher Tiefe. Sie zeigt auf, welche Rolle religiöse Rituale, Gebete und Glaubensüberzeugungen im Traumageschehen spielen können – und wie Seelsorgerinnen und Pädagoginnen diesen Raum öffnen können, ohne zu vereinnahmen.
Themen des Vortrags:
- Trauma und Spiritualität: Warum diese Verbindung in der Praxis oft übersehen wird
- Glaube als Anker und Schutzraum in der Traumabewältigung
- Traumapädagogische Impulse für die muslimische Seelsorge
- Haltungsfragen: Wertschätzung, Offenheit und spirituelle Sensibilität in der Begleitung
Zur Referentin:
Andrea Kiel-Philipp leitet den Fachbereich Begegnung, Beratung und Therapie beim Sozialdienst Katholischer Männer e.V. in Lippstadt. Auf 38 Jahre Berufserfahrung im psychiatrischen Kontext blickt sie zurück – von der klinischen Arbeit über Qualitätsmanagement und Rehabilitation bis hin zur Beratung und Therapie. Diese breite und tiefgehende Erfahrung prägt ihre multiperspektivische Herangehensweise.
Derzeit promoviert sie am Promotionszentrum Fulda im Bereich Psychologie und psychosoziale Beratung – mit einem Forschungsschwerpunkt, der an der Schnittstelle von Migration, Religion und psychischer Gesundheit angesiedelt ist: Mental Health unter Muslimen mit Flucht- und Traumaerfahrungen. Besonders widmet sie sich in ihrer Forschung den intrakulturellen, religiös-spirituellen sowie mystisch geprägten Coping-Strategien traumatisch belasteter muslimischer Frauen.
Zielgruppen:
Der Vortrag richtet sich an Fachkräfte aus Seelsorge, Beratung, Psychosozialer Arbeit und Traumapädagogik, die ihre Perspektive erweitern und neue Zugänge für die Begleitung von Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung gewinnen möchten.